Die Liturgie

Schatz der Kirche

Die christliche Liturgie ist der Kult, den die Getauften dem Vater, durch den Sohn, im Heiligen Geist darbringen. Der Christ muss mit seiner ganzen Menschlichkeit in das Geschenk des Sohnes an den Vater eintreten. Er trägt dann zu Recht den Namen „Christ“, denn er wird selbst zum Christus (ipse Christus), indem er sich auf der Patene und im Kelch darbringt.

In diesem unermesslichen Geschenk, das durch die Liturgie gegenwärtig wird, müssen wir zwei leider allzu häufige Extreme im Herzen der Christen vermeiden.

Das erste Extrem wäre eine ausschließlich horizontale (also allzu menschliche) Sicht der Liturgie. Sie wäre dann nur ein irdischer Kult, der auf die Ausführung mehr oder weniger bedeutungsvoller Gesten reduziert ist.

Das zweite Extrem wäre eine ausschließlich vertikale Sicht. Diese Auffassung der Liturgie ist, man täusche sich nicht, ebenso gefährlich wie die erste. Die Liturgie wird dabei auf einen Kult im Geist reduziert – nur was im Herzen des Menschen vorgeht, ist wesentlich … man kann dann tun, was man will, da Gott sich nur persönlich mitteilt.

Das Kyriale

Credo

Agnus Dei

Kyrie

Gloria

Sanctus

La Préface et le Sanctus

Angesichts dieser beiden Extreme müssen wir das Horizontale mit dem Vertikalen verbinden. Dann haben wir das Kreuz vor Augen, denn der Schlüssel zur Liturgie ist Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch. Indem er diese beiden Wirklichkeiten in sich vereinte, wollte Christus, das fleischgewordene Wort, das Göttliche in das Menschliche einführen, damit durch dieses Gnadengeheimnis das Menschliche Zugang zum Göttlichen erhält. Verlassen wir also eine platonische Glaubenssicht, die das Göttliche in den Himmel und das Fleischliche auf die Erde verbannte! Wenn wir eine Kirche betreten – besonders während der Feier der Messe –, sind diese beiden Geheimnisse vereint; deshalb wollte das Wort Fleisch werden.

So ist die Liturgie das a-temporale Band, das uns dem einzigen und ewigen Geheimnis Gottes gegenwärtig macht. Indem wir in dieser Welt dem wahren Gott Kult darbringen, befinden wir uns bereits vor dem Thron des Lammes. Deshalb müssen unsere irdischen Liturgien den Himmel widerspiegeln und nicht die Erde!

Doch Achtung: Wir dürfen dabei nicht vergessen, unsere Liturgie mit dem wirklichen Leben zu verbinden. Die Schönheit unseres Kults muss die Schönheit unserer Taten widerspiegeln. Der Bettler an der Tür unserer Pfarrkirche, am Ausgang unseres Supermarkts, an meinem Arbeitsplatz – er muss Teil unserer Liturgien sein. Wir müssen ihn tragen, ihn anbieten und ihm im Konkreten unseres Daseins helfen. In diesem Sinn erklärt der Herr:

„Was soll mir die Menge eurer Schlachtopfer? Bringt nicht länger sinnlose Opfergaben! Euer Räucherwerk ist mir ein Gräuel. Wascht euch, reinigt euch! Schafft eure bösen Taten aus meinen Augen! Hört auf, Böses zu tun, lernt, Gutes zu tun! Sorgt für Recht, weist den Unterdrücker in seine Schranken! Verhelft der Waise zu ihrem Recht, tretet ein für die Witwe!“ (Jes 1,11–17)

Liturgischen Kult darbringen bedeutet nicht, der Wirklichkeit zu entfliehen, sondern die Wirklichkeit darzubringen!

Die Messe

Die Eucharistie ist die Mitte und der Höhepunkt des Lebens der Kirche. In ihr nimmt Christus seine Kirche und alle seine Glieder in sein Lob- und Dankopfer hinein, das er am Kreuz seinem Vater ein für allemal dargebracht hat. Durch dieses Opfer läßt er die Gnaden des Heils seinem Leib, der Kirche, zuteilwerden.

Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1407

Das Stundengebet

Christus Jesus, der Hohepriester des Neuen und Ewigen Bundes, hat, als er die menschliche Natur annahm, in dieses Erdenleben jenen Hymnus eingeführt, der in den himmlischen Wohnungen durch alle Ewigkeit erklingt.

Sacrosanctum Concilium, Nr. 83

Das Kirchenjahr

Als liebende Mutter hält die Kirche es für ihre Aufgabe, das Heilswerk ihres göttlichen Bräutigams an bestimmten Tagen das Jahr hindurch in heiligem Gedenken zu feiern. In jeder Woche begeht sie an dem Tag, den sie Herrentag genannt hat, das Gedächtnis der Auferstehung des Herrn, und einmal im Jahr feiert sie diese Auferstehung zugleich mit dem seligen Leiden des Herrn an Ostern, ihrem höchsten Fest. Im Kreislauf des Jahres entfaltet sie das ganze Mysterium Christi von der Menschwerdung und Geburt bis zur Himmelfahrt, zum Pfingsttag und zur Erwartung der seligen Hoffnung und der Ankunft des Herrn.

Sacrosanctum Concilium, Nr. 102

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